Informationen zum Erscheinen der neuen CD
SAXOFONQUADRAT – WEIHNACHTEN
fatto per la notte di natale
Alte und neue weihnachtliche Musik für vier Saxofone
Arcangelo Corelli, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Astor Piazzolla, Christian Raake u.a.
SAXOFONQUADRAT stellt sich dem Fest. In einem Streifzug durch die Musikgeschichte interpretiert das Ensemble weihnachtliche Musik neu, eigen und in einer für diese Musik unkonventionellen Besetzung. Vier Saxofone ersetzen die vertrauten Klänge von Orgel, Chor oder Streichern. Dabei werden die Kompositionen zum Teil sehr frei bearbeitet und mit Improvisationen erweitert.
„Er ist auf Erden kommen arm, dass er unser sich erbarm...“. So hat es J. S. Bach im Weihnachtsoratorium formuliert. Bis heute ist dies eine der zentralen Deutungen der Weihnachtsbotschaft. Dem haben Komponisten durch die Zeiten und Musikstile hindurch versucht, Gestalt und Form zu geben. Die einen unbeschwert, fröhlich und heiter – die anderen eher nachdenklich, besinnlich und meditativ.
In seiner ungekünstelten, fröhlich tanzenden Art verleugnet Noël Suisse seine volksliedhafte Herkunft nicht. Der französische Komponisten Louis-Claude Daquin (1694-1772), zu seiner Zeit ein berühmter Orgelvirtuose und Improvisator, variierte das Lied für Orgel.
Von ganz anderem Charakter sind die folgenden beiden Fugen, in denen die Choralmelodien „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und „Herzliebster Jesu“ anklingen. Sie wurden von dem erst zwölfjährigen Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847) für Streichquartett komponiert. Das Choralthema der zweiten Fuge gehört in die Passionszeit. Im Anfangsteil dieser Fuge wird jedoch auch das weihnachtliche Choralthema der ersten Fuge zitiert – ein Hinweis auf den Weg, der von der Krippe zum Kreuz führt.
Andächtig und kontemplativ folgt das ungarische Volkslied Esti Dal („Abendlied“) in einer Bearbeitung von Zoltan Kodály (1882-1967). Ein verträumtes Solo vom Baritonsaxofon am Ende des Stückes lässt entschwinden in eine Welt zwischen Traum und Realität, Tag und Nacht, Wachen und Schlafen, Hier und Dort. Auch E la Don Don und Riu Riu Chiu sind Lieder aus dem Volk. Festliche, temperamentvolle, tänzerische Gesänge aus Spanien, die dort irgendwann zur fröhlichen Feier der Weihnacht Einzug in die Kirchen gefunden haben. Um 1500 wurde wohl am Hof von Fernando de Aragon in Valencia eine große Sammlung dieser Villancicos („Volkslieder“, inzwischen mit weihnachtlichen Texten) begonnen. Die Familie derer von Aragon verstand sich als direkte Nachkommen der heiligen drei Könige. Daher hatte die Feier der Weihnacht an ihrem Hof eine besondere Bedeutung. Zeitweise wurden die Villancicos wegen ihres überschäumenden Temperaments aus den Kirchen wieder verbannt. Die beiden Choralmelodien Es ist ein Ros entsprungen und Ich steh an deiner Krippen hier wurden von dem Leipziger Komponisten und Kirchenmusiker Volker Bräutigam (*1939) in einer sehr modernen Klangsprache für Orgel variiert. In ihrer fragilen Anmutung zeigen sie die Menschwerdung, das Menschsein Christi in all seiner Anfechtung und Zerbrechlichkeit. Im Concerto Grosso G-moll Op. 6 No. 8 von Arcangelo Corelli (1653-1713) gibt das Saxofonquartett ein ganzes Streichorchester. Wenn man unter dem Eindruck dieser Klangfülle, dieser vielfarbigen, mitreißenden Melodien in die Partitur sieht, mag man auf den ersten Blick überrascht sein von der Einfachheit des Notentextes. Der Zusatz: „Fatto per la notte di natale" weist auf den fröhlichen Grund dieser Musik. In der Pastorale („Hirtenmusik“) am Ende des Werkes hört man vielleicht die Hirten vor sich hin pfeifen auf ihrem Weg zum Stall von Bethlehem. Sowohl als Violinenvirtuose wie auch als Komponist hatte Corelli schon zu Lebzeiten weit über Italien hinaus erheblichen Einfluss. Sein „Weihnachtskonzert“ gehört zu den bekanntesten Weihnachtskompositionen überhaupt. Neben den temperamentvollen Spanischen Villancicos steht ein ruhiger Spanischer Tanz aus den „Danzas Españolas“ von Enrique Granados (1882-1916). Seine Werke schöpfen ihre Inspiration aus der Spanischen Folklore. Die „Danzas Españolas“ zählen zu seinen bekanntesten Kompositionen. Die ausgewählte Melodie lädt in ihrer Einfachheit und Ruhe zum Nachdenken ein.
Ganz anders Ruprechts Rasselbande. Ausgelassen und fröhlich lässt sie sich nicht einschüchtern durch die düstere Gestalt des Knecht Ruprecht, wie er in Robert Schumanns „Album für die Jugend“ daher gepoltert kommt. Christian Raake (*1960) hat diese Bearbeitung dem Ensemble auf den Leib geschrieben. Die Milonga del Angelist ein intimes und ergreifendes Stück des Argentiniers Astor Piazzolla (1921-1992), Schöpfer des Tango Nuevo. Sie ist Bestandteil einer Suite, in der die Gestalt des Engels im Mittelpunkt steht. Große Musik, in der deutlich wird, über welche Fülle an Klangfarben SAXOFONQUADRAT verfügt. Die CD klingt aus mit einer weiteren Bearbeitung des in Mitteleuropa vielleicht bekanntesten Weihnachtsliedes Es ist ein Ros entsprungen, nun von Hinrich Beermann (*1958). Sie beeindruckt durch den Zusammenklang der schlichten Melodie des Liedes mit bluesigen Elementen. Gerade hier wird beim Hören noch einmal deutlich, welche Kraft die Weihnachtsbotschaft entwickeln kann: „Er ist auf Erden kommen arm, dass er unser sich erbarm...“.
Heinz Schultheiß
Esti Dal
Abendlied
Die Dämmerung hat mich am Waldrand erreicht.
Ich legte die Mütze unter meinen Kopf, faltete die Hände und betete zu meinem Gott:
Gib mir Obdach, ich bin müde vom Wandern und vom Leben auf fremder Erde.
Gib mir eine gute Nacht, sende mir deinen heiligen Engel,
gib den Träumen unserer Herzen Mut, schenk mir eine gute Nacht.
Ruprecht droht Arbeitslosigkeit
von Giuseppe Pitronaci
Weihnachten wird immer gleicher. Ob in China, Finnland oder Brasilien: Überall leuchten Weihnachtsbäume, und ein dicker Mann mit weißem Bart und rotem Mantel klettert Fassaden hoch, blinkt, bringt Geschenke: Barbiepuppen, Playmobil, Playstation Two.
Moderne Kommunikationswege – Fernsehen, Flugzeug, Internet – tragen immer schneller dazu bei, die Weihnachtskultur zu nivellieren. Eine riesige globale Kommerz-Maschine ist Ursache, zumindest Profiteur. So kann man eine Marke einmal im Jahr auf Weihnachten trimmen, die Werbemaschine anschalten und sie in der ganzen Welt zeitgleich laufen lassen. Maximal-Profit mit Minimal-Einsatz.
Geht man in die Zeit zurück, werden die Kommunikationswege langsamer und die Weihnachtsbräuche vielfältiger – jeder Ort hat seine eigenen. Fragt man betagte Bewohner Siziliens, erfährt man, dass es die Geschenke in der Nacht zum 2. November gab – Allerseelen. Dann kamen die Toten und versteckten für die Kinder ein paar Mandeln oder Orangen. Gewiss keine Playstations.
Auch innerhalb des deutsch-sprachigen Raums waren die Bräuche und Geschichten rund um Weihnachten verschieden. Der 6. Dezember als Nikolaustag ist in Deutschland überall bekannt. Die Figur des Nikolaus, der den Kindern Geschenke bringt, geht zurück auf einen wohltätigen Bischof in Kleinasien im 4. Jahrhundert.
Die Figur seines Begleiters, Knecht Ruprecht, ist sehr viel unklarer, zwiespältiger, was die Überlieferung betrifft. Man kann historisch auf viele Knechtruprechts stoßen, in verschiedenen Gegenden, mit verschiedenen Eigenschaften. Auch die Namen sind verschieden: Krampus, Klaus, Schmutzli, Hans Trapp, Hans Muff, Bullerklas, Schimmelreiter, Kinderfresser...
Diese Vielfalt an Ruprecht-Figuren, Ruprecht-Traditionen und Ruprecht-Namen verschwimmt allmählich. „Knecht Ruprecht“ hat sich durchgesetzt. Aber vielleicht wird auch er überrollt werden vom globalisierten Weihnachts-Rummel.
So richtig will er auch nicht passen in moderne, anti-autoritäre Zeiten. Vielfach hatten Knecht Ruprecht und Co. zu tun mit einer Figur, die dazu dienen sollte, Kinder zum erwünschten Verhalten zu erziehen. Bei falschem Verhalten drohte Strafe durch Knecht Ruprecht, mit Rute oder Sack, in den die Kinder gesteckt würden.
Aber müssen wir Knecht Ruprecht deshalb endgültig die Entlassungsurkunde überreichen? Man hat schließlich auch von Kindern gehört, die sich nicht einschüchtern lassen durch die düstere Gestalt – Ruprechts Rasselbande...
Titelliste:
Luis-Claude Daquin (1694-1772)
Noël Suisse
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) Fuge F dur
über "Wie schön leuchtet der Morgenstern"
Fuge G moll
über "Herzliebster Jesu"
Zoltán Kodály (1882-1967)
Esti dal
Anonym/ Spanien 16. Jh. E la Don Don
Volker Bräutigam (*1939) Es ist ein Ros entsprungen
Arcangelo Corelli (1653-1713)
Concerto Grosso G-moll Op. 6 No. 8
"Fatto per la notte di natale"
Volker Bräutigam (*1939) Ich steh an Deiner Krippen hier
Enrique Granados (1867-1916) Spanischer Tanz arr. Wil van der Beek
Anonym/ Spanien 16. Jh. Riu Riu Chiu
Christian Raake (*1960) Ruprechts Rasselbande nach Robert Schumann
Astor Piazzolla (1921-1992) Milonga del Angel arr. Hinrich Beermann
Hinrich Beermann (*1958) Es ist ein Ros entsprungen
alle Bearbeitungen von Clemens R. Hoffmann außer Titel 9, 11, 12, 13
Präsentation der neuen CD
04.12.2009, 20 Uhr
Berlin, Segenskirche im Prenzlauer Berg, Schönhauser Allee 161
Karten zu 10€/ erm 7€ an der Abendkasse
(Reservierungen unter 030-47757645)
Weitere Konzerte mit diesem Programm:
04.12.09 Berlin, Segenskirche, Premzlauer Berg, Präsentation der neuen CD, 20 Uhr
05.12.09 Hannover, Neustädter Hof- und Stadtkirche, Weihnachtliches Konzert 16 Uhr
06.12.09 Müncheberg b. Berlin, Stadtpfarrkirche, Weihnachtliches Konzert, 17 Uhr
12./13.12.09 Bad Gandersheim, Stiftskirche (Dom) mit Capella Vocale, 18 Uhr
14.12.09 Berlin, Rathaus Pankow, Weihnachtliches Konzert 19:30 Uhr
Das Programm wurde bereits in zahlreichen Konzerten vom Publikum begeistert aufgenommen.
"Spannende Arrangements verwandeln die Alte Musik in hochmoderne Werke, ohne ihre
ursprüngliche Charakteristik zu verraten."
Osthessen News
"Flexibilität und Rafinesse in großartiger Klangfülle, klassisch angereichert und modern improvisiert" Bayrische Rundschau
Die CD ist ab sofort im Handel erhältlich. SAXOFONQUADRAT hat bereits veröffentlicht:
Contrapunkt (2005 label harp), Tänze (2007 label harp), Jazz Tango Alte Musik (2003
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